KÜNSTLER / Kunst der Moderne
Willi Baumeister

Ischtar schreitend
© Willi Baumeister / VG Bild-Kunst, Bonn

Willi Baumeister

Ischtar schreitend, 1948

Öl mit Kunstharz und Spachtelkitt auf Karton, auf Hartfaserplatte aufgezogen
52,8 × 71,7 cm

signiert und datiert u. l.: Baumeister 6.48
(BAUMEW/M 82)

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Provenienz: Privatbesitz, Heilbronn; Galerie Fischinger, Stuttgart; Privatbesitz, Stuttgart
Literatur: Peter Beye / Felicitas Baumeister. Willi Baumeister. Werkkatalog der Gemälde, Bd. II, Ostfildern 2002, Nr. 1184, Abb. S. 466; Aust.Kat. Freie Gruppe Stuttgart, Galerie Schlichtenmaier / Städtische Galerie Böblingen, Grafenau/Böblingen 1988, Nr. 6, Abb. S. 87; Ausst.Kat. Das Gilgamesch Epos. Gesehen von drei Generationen, Joseph Hegenbarth, Willi Baumeister, Reinhard Minkewitz, Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz 2005, Kat. Nr. 14, Abb. S. 6; Ausst.Kat. Willi Baumeister. Arbeiten 1914 bis 1955, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau 2000/01, Kat.Nr. 23, Abb. S. 50; Ausst.Kat. Willi Baumeister. Dialog der Kulturen, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau 2002, Kat.Nr. 24, Abb. S. 81; Ausst.Kat. Willi Baumeister. Entdeckung neuer Bildwelten, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau/Stuttgart 2008, S. 56, Abb. S. 57

Willi Baumeister kann während der Naziherrschaft nur unter großen Schwierigkeiten der Malerei nachgehen. Als »entarteter« Künstler, ist er den diktatorischen Kontrollen ausgeliefert. Die intensive Beschäftigung mit den theoretischen Grundlagen ungegenständlicher Kunst und die Vertiefung seiner Kenntnisse von archaischen Kulturen sind eine Folge dessen. Vor allen dem babylonischen »Gilgamesch Epos« gilt Baumeisters Interesse in dieser Zeit. Eine Schlüsselszene des Epos schildert das Zusammentreffen der Göttin Ischtar mit dem nur zu zwei Dritteln göttlichen Helden und König Uruks, Gilgamesch. Die Göttin wirbt um die Liebe des Helden, der ihr eine über alle Maßen beleidigende Antwort gibt. Zur Strafe und als Vergeltung schickt Ischtar den göttlichen Stier auf die Erde, der die Stadt Uruk verwüstet und viele Männer Uruks tötet. Gilgamesch besiegt den göttlichen Stier und erschlägt ihn auf den Rat seines Freundes Enkidu. Dieses Sakrileg ahnden die Götter mit dem Tod Enkidus. Der nach Ruhm strebende Gilgamesch wird sich im Angesicht des Todes seines Weggefährten, der Vergänglichkeit des Lebens, der Existenz bewusst, da selbst ihm letztlich die Unsterblichkeit versagt bleibt. Das Gemälde »Ischtar schreitend« (1948) ist ein Ergebnis dieser Auseinandersetzung, wobei Baumeister die babylonische Gottheit »Ischtar« mit der ägyptischen »Isis« gleichsetzt. Aus den Hieroglyphen für »Isis« entsteht ein assoziatives Gefüge zusammengesetzt aus der Kombination von abwechselnd labil und stabil erscheinenden geometrischen Formen und Umkehrformen, die durch Farbe oder Reliefcharakter herausgehoben sind. Den himmlischen Stier, wie die Schlange, die Gilgamesch die letzte Möglichkeit zur Erlangung des ewigen Lebens nimmt, abstrahiert Baumeister in der halbrunden Form von Hörnern, bzw. einem schlangenhaften Zickzack. Baumeister gelingt eine malerisch verdichtete Interpretation dieses frühen, nach dem Sinn des Lebens fragenden Epos, der ersten existenziellen Dichtung der Menschheit. Die Doppelgesichtigkeit und die gegenseitige Bedingtheit von Leben und Tod, werden in den Vexierformen bildhaft. Der perlmuttfarbene Farbauftrag im Kontrast zu den mattweiß aufgespachtelten Formen schafft Assoziationen zu den glasierten und gebrannten Ziegeln von Uruk. Diese machten die Stadt in archaischer Zeit uneinnehmbar und gegenwärtig, in Form des »Ischtar Tores« im Pergamon Museum in Berlin, als wichtiges Zeugnis der babylonischen Kultur, berühmt.
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