Galerie Schlichtenmaier – 40 Jahre Galerie in Schloss Dätzingen

Melanie, 1978
© Almut Heise / VG Bild-Kunst, Bonn

Almut Heise

Melanie, 1978

Aquarell, Farbstift, Öl auf Karton
97 × 54 cm

signiert und datiert u. l.: Almut Heise 78 Literatur: Almut Heise. Bilder und Zeichnungen 1974-1988, Hamburg 1988, Nr. 41
(HEISEA/M 31)

€ 17.000
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Die Malerei von Almut Heise steht stilistisch in der Tradition des Realismus, den sie dadurch weiterführt, indem sie - bei aller Liebe zum Detailreichtum und bei größter Beobachtungsgabe - gewisse Ungereimtheiten einfließen lässt. Angetrieben von einer nahezu unnachahmbar malerischen Perfektion sind ihre bevorzugten Bildthemen Interieurs, deren Versatzstücke sie zu überzeugenden Kompositionen zusammenfügt. So weist auch die vorliegende, im Jahre 1978 entstandene Arbeit »Melanie« bei eingängiger Betrachtung Unstimmigkeiten auf: Raffiniert verdeckte Raumachsen und kühne Ausschnitte hat die Künstlerin wirkungsvoll in ein von Licht und Schatten austariertes Gefüge gesetzt, um die Erscheinung des Mädchens namens Melanie zu inszenieren. Die spärliche Einrichtung prägt den knapp begrenzten Handlungsraum, der lediglich einen kleinen Einblick in die alltägliche, private Lebenswelt der Protagonistin freigibt. Untypisch für die sonst auffallenden Muster bei Almut Heise ist die Geometrisierung der Objekte, der sich auch die Körperformen der Porträtierten anzupassen scheinen - so führt der linke Schuh die Ecklinie des Kastens fort, auf dem Melanie sitzt. Auch bei der Charaktierisierung fallen Ungereimtheiten auf, deren Auflösung Rückschlüsse auf die Gesamtkomposition zulassen. Die wenig schickliche Haltung der Beine deutet auf eine kindliche Verlegenheit hin, die der Oberkörper und das trotzige Gesicht ganz und gar nicht wiederaufgreifen. Auch das Kleid will schon nicht mehr so recht passen. Die Linke in die Hüfte gelegt und den Betrachter distanziert-herausfordernd im Visier, nimmt das Mädchen die Pose einer Frau ein. Zu diesem pubertär divergenten Selbstverständnis gehört auch das sorgfältig gekämmte Haar mit der betont aus der Stirn gelegten Locke. So kann man nun auch das Ambiente symbolisch lesen: Das mutmaßliche Puppenmobiliar verweist auf die kindliche Welt, der zugezogene Rolleau könnte darauf hinweisen, dass sich Heranwachsende mit ihrer zunehmenden Reife oftmals nach außen verschließen.
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