What's up?! / Zeitgenössische Positionen zum 50. Galeriejubiläum

Stockage 179- 1/5, 2019
© Luzia Simons / VG Bild-Kunst, Bonn

Luzia Simons

Stockage 179- 1/5, 2019

Scannogramm, light jet print diasec
142 × 100 cm

verso signiert, datiert und nummeriert
(SIMONL/W 91)

€ 9.600
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Auflage: 5 Exemplare + 1 AP

Mit ihrer Erfolgsserie "Stockage" hat Luzia Simons wie nur wenige Künstler das Blumenthema als heutiges Genre wiederbelebt. In der Serie dieser Serie (frz. »Stockages«; Einlagerung, Speicherung) liegen Schönheit und Verfall nahe beieinander – die in Berlin lebende brasilianische Künstlerin bezieht sich in dieser Anschauung auf die Blumenstillleben des niederländischen Goldenen Zeitalters, insbesondere auf die spezielle Symbolik der Tulpen. Diese Blume mit Kultstatus, deren Ursprung im Orient liegt, diente im 17. Jahrhundert nicht nur der opulenten Vanitasdarstellung, sondern war in den Niederlanden auch Inbegriff eines aufblühenden Handels und des wirtschaftlichen Ruins. In Ihren Scannogrammen setzt Luzia Simons die Tulpen monumental in Szene, übertrifft die Vorbilder an Realitätsnähe und schafft doch fiktive Bildräume, die weder fotografisch noch malerisch erzeugt werden können: Als eine Art Hinterglasbild baut sich das Motiv von vorne nach hinten auf, um vor dunklem Hintergrund die hinreißende Vielfalt und einzigartige Plastizität, aber auch die existenzialistische Dualität von Aufblühen und Verwelken in einer postmodernen Bildsprache zu verewigen. Irritierend schön sind die Arbeiten nicht nur wegen der floralen Motive - nicht nur der Tulpen -, sondern wesentlich durch die kompositionelle Perfektion und die dahinter stehende Technik, welche dem singulären Stil die Bezeichnung »Digitaler Barock« eingebracht hat. Tatsächlich will der eine Betrachter in den Werken Gemäldevorlagen aus dem holländischen Barock erkennen, der andere Fotografien opulent inszenierter Blumendekors. Beide täuschen sich. Das Ergebnis der aufwendigen und langwierigen »Aufnahme« durch den Scanner ist objektiv nicht durch technische Linsen gefiltert, sondern wird in unmittelbarer Nähe zum Gegenstand vermittelt. Luzia Simons übertrifft mit ihren Scans sowohl die Malerei wie die Fotografie an Tiefe und Brillanz, und da sie die Pflanzen auf dem Scanner drapiert – also bei der Vorbereitung des Szenarios von unten nach oben arbeitet –, wirkt die Komposition sensationell anders, ohne dass man das sofort bemerkt. Anders als die meisten Stillleben-Künstler unserer Zeit erhebt Luzia Simons zudem einen sozial-humanistischen und auch einen intellektuellen Anspruch. Die Bildspeicher – so muss man die Arbeiten aus der Serie »Stockage« deuten – sammeln Informationen über bestimmte Pflanzen, die als Botschafter im »Transfer durch die verschiedenen Kulturen«, so Simons, fungieren. Dass der überbordenden Blüte die morbide Seite der Vergänglichkeit zur Seite gestellt ist, ist ein Tribut an die Wirklichkeit und das Leben – und zugleich ein Reflex auf die kulturgeschichtliche Vanitas-Vorstellung, die im Zeitalter der Entdeckungen und des frühkapitalistischen Handels, insbesondere im 17. Jahrhundert, das Denken prägte. Luzia Simons steht für Großformate, die im sogenannten Diasec-Verfahren produziert werden. Diese Technik, bei der das Bild zwischenraumlos mit dem Plexiglas verbunden wird, wurde von dem Düsseldorfer Labor Grieger patentiert, das bis heute eng mit der Düsseldorfer Schule der Fotografie (Andreas Gursky, Thomas Ruff, Thomas Struth) sowie eben auch mit Luzia Simons zusammenarbeitet. Ihre Auflagen liegen selten über sechs Exemplaren, ab und zu entstehen aber auch kleinformatigere Editionsauflagen.
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