»Wie Blüten gehn Gedanken auf«

Stockage 172, 2017
© Luzia Simons / VG Bild-Kunst, Bonn

Luzia Simons

Stockage 172, 2017

Scannogramm, light jet print diasec
70 × 50 cm

verso auf Etikett signiert, datiert betitelt und nummeriert
(SIMONL/W 113)

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Auflage: 15 Exemplare + 1 AP
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Irritierend schön sind die Arbeiten Luzia Simons, nicht nur wegen der floralen Motive, sondern wesentlich durch die kompositionelle Perfektion und die dahinter stehende Technik, welche dem singulären Stil die Bezeichnung »Digitaler Barock« eingebracht hat. Tatsächlich will der eine Betrachter in den Werken Gemäldevorlagen aus dem holländischen Barock erkennen, der andere Fotografien opulent inszenierter Blumendekors. Beide täuschen sich. Das Ergebnis der aufwendigen und langwierigen »Aufnahme« durch den Scanner ist objektiv nicht durch technische Linsen gefiltert, sondern wird in unmittelbarer Nähe zum Gegenstand vermittelt. Luzia Simons übertrifft mit ihren Scans sowohl die Malerei wie die Fotografie an Tiefe und Brillanz, und da sie die Pflanzen auf dem Scanner drapiert – also bei der Vorbereitung des Szenarios von unten nach oben arbeitet –, wirkt die Komposition sensationell anders, ohne dass man das sofort bemerkt – von der Wahrnehmung her ist die Abfolge von Vorder-, Mittel- und Hintergrund mit der Hinterglasmalerei vergleichbar. Anders als die meisten Stillleben-Künstler unserer Zeit erhebt Luzia Simons zudem einen sozial-humanistischen und auch einen intellektuellen Anspruch. Die Bildspeicher – so muss man die Arbeiten aus der Serie »Stockage« deuten – sammeln Informationen über bestimmte Pflanzen, die als Botschafter im »Transfer durch die verschiedenen Kulturen«, so Simons, fungieren. Dass der überbordenden Blüte die morbide Seite der Vergänglichkeit zur Seite gestellt ist, ist ein Tribut an die Wirklichkeit und das Leben – und zugleich ein Reflex auf die kulturgeschichtliche Vanitas-Vorstellung, die im Zeitalter der Entdeckungen und des frühkapitalistischen Handels, insbesondere im 17. Jahrhundert, das Denken prägte.
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